Montag 16 Jul 2018

Francke-Kabinett

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Bildquelle: By Timo Pilgram;OmiTs at de.wikipedia (de:Datei:Franckesche Stiftungen Waisenhaus.jpg) [CC-BY-SA-3.0-de (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)], from Wikimedia Commons

Das Francke-Kabinett ist als kleines Museum Teil der Franckeschen Stiftungen in Halle an der Saale.

August Hermann Francke (1663 – 1727) wurde in Lübeck geboren und wirkte mehrere Jahrzehnte lang in Halle, wo er auch starb. Er gilt zu Recht als einer der größten Bürger der Stadt. Francke war Theologe und gründete als evangelischer Pfarrer 1698 die Franckeschen Stiftungen; es handelt sich dabei um eine christliche Wohltätigkeitsorganisation. Das erste Projekt Franckes war ein Waisenhaus, später kamen Werkstätten und Schulen dazu. Noch heute besteht das von Francke gegründete Gymnasium “Latina” in Halle. Francke gehörte der evangelischen Glaubensrichtung des Pietismus an, die besonderen Wert auf persönliche Frömmigkeit und Nächstenliebe legt. Auch die Kirchenlieder, die Francke gedichtet hat, geben Zeugnis von seinen Überzeugungen.

Im Laufe von Franckes Tätigkeit entstand in Halle ein ganzes Stadtviertel, in dem er seine Werkstätten, Schulen und Heime unterbrachte. Teilweise kaufte er heruntergekommene Immobilien und ließ sie sanieren! Während der DDR-Zeit verwahrloste das Francke-Viertel zusehends, aber seit 1989 sind die historischen Gebäude wieder schön renoviert. Auch heute noch betreiben die Halleschen Stiftungen soziale Projekte, z.B. eine Seniorenresidenz, Kindergärten und Schulen. Eine wichtige Institution des Francke-Viertels bildet das ehemalige Wohnhaus der Familie Francke (Franckeplatz 1), das bis 2008 sorgfältig renoviert wurde. Im Erdgeschoss befindet sich das Informationszentrum. Die Besucher können hier Eintrittskarten für alle öffentlich zugänglichen Einrichtungen der Franckeschen Stiftungen kaufen und natürlich auch Souvenirs!

Im ersten Stock hat die Familie Francke gewohnt. Hier ist heute das Francke-Kabinett eingerichtet, eine Gedenkstätte mit multimedialer Dauerausstellung. Kernstück der Dauerausstellung sind neun Filme, die auf verschiedene Aspekte der interessanten Persönlichkeit August Hermann Francke eingehen. Da wird beispielsweise in einem Film seine Theologie vorgestellt. Ein anderer würdigt Francke als Pädagogen: Francke setzte sich zu seiner Zeit sehr für die allgemeine Grundschulbildung (auch für die ärmsten Schichten der Bevölkerung) ein und ist Mitinitiator der allgemeinen Schulpflicht. Auch als Bauherr und als Ökonom wird er in Filmen behandelt und sogar als “Global Player” – er stand tatsächlich mit verschiedenen regierenden Fürsten seiner Zeit im Briefwechsel, um seine Idee der Grundschule zu propagieren! Eine so moderne Präsentation hätte dem berühmten Bürger von Halle sicherlich gefallen! Er war selbst innovativ, auch auf technischem Gebiet. So ließ er in einer seiner Werkstätten Bibeln in einem rationellen, kostengünstigen Verfahren drucken.

Es lohnt sich, nach dem Besuch des Francke-Kabinetts noch einen Blick in die oberste Etage zu werfen: Im Dachgeschoss ist die “Bibelmansarde” eingerichtet, wo die Besucher in verschiedenen Bibelausgaben und Gesangbüchern schmökern können. Jeweils dienstags um 18.00 Uhr findet in der “Bibelmansarde” eine Vortrags- oder Diskussionsveranstaltung zu biblischen Themen statt.

Das Francke-Wohnhaus mit Informationszentrum, Francke-Kabinett und “Bibelmansarde” ist täglich außer montags von 10.00 Uhr bis 17.00 Uhr geöffnet.

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