Sonntag 21 Jan 2018

Händeldenkmal

Händeldenkmal

Bildquelle: © mihi - Fotolia.com

Im Zentrum der sachsen-anhaltischen 230.000-Einwohmer-Stadt Halle, auf dem Halleschen Marktplatz in unmittelbarer Nähe zur auch „Marienkirche“ genannten Marktkirche „Unser Lieben Frauen“ steht das Denkmal eines 1685 in diesem Gotteshaus getauften berühmten Sohnes der Saale-Stadt. Der durch dieses Denkmal geehrte Georg Friedrich Händel (1685 – 1759) war unbestritten einer der größten Komponisten der Barockzeit. Den Großteil seines Lebens lebte und wirkte Händel in London, wo er auch starb.

Die Bedeutung Händels wurde nach seinem Tod durch imposante Denkmäler in Frankreich und Großbritannien unterstrichen. Das einzige Händel-Denkmal auf deutschem Boden wurde anlässlich seines 100. Todestags 1859 auf dem Halleschen Marktplatz feierlich eingeweiht.

Die 1,5 Tonnen schwere und über drei Meter hohe Bronzestatue steht auf einem, auf einer dreigestuften Granitbasis errichteten, fast 20 Tonnen wiegenden Marmor-Sockel. Das Standbild zeigt den Komponisten aufrecht stehend in Richtung London blickend. Bildhauer Hermann Heidel (1811 – 1865) gestaltete Händel naturalistisch als älteren, wohlbeleibten Herrn mit langer Perücke in zeitgenössischer Kleidung des 18. Jahrhunderts. Der überaus selbstbewusst wirkende Bronze-Händel trägt als Zeichen seiner herausragenden Stellung in der Londoner Gesellschaft einen Zierdegen. Er stützt sich souverän-entspannt an einem Notenpult auf, auf dem die Partitur des Oratoriums „Messiah“ (1741), eines von Händels Hauptwerken, zu erkennen ist. Auf der Rückseite des Notenpults ist eine kleine Frauenfigur als Relief eingearbeitet, die die Patronin der Kirchenmusik, Cäcilia von Rom, darstellen soll.

Die Finanzierung des nach Heidels Vorgaben von Hermann Gladenbeck (1827 – 1918) gegossenen Denkmals wurde durch die Initiative des „Händel-Comités“ gesichert, das federführend bei der Organisation der Feierlichkeiten zum 100. Todestags des Komponisten zeichnete. Das Komitee hatte 1856 europaweit zu einer Spendenaktion aufgerufen, bei der schließlich die ansehnliche Summe von 8.000 Reichstalern gesammelt werden konnte.
Davon hatten die Hallenser Bürger durch Musikaufführungen und Privatspenden einerseits und das Händel eng verbundene britische Königshaus andererseits jeweils ein Drittel aufgebracht.

Anders als die repräsentativen, 1945 zerbombten und 1948 abgerissenen Gebäude „Altes Rathaus“ und „Ratswaage“, vor denen das Denkmal errichtet worden war, hat das Händel-Denkmal den Zweiten Weltkrieg überstanden. Das Denkmal ist nicht nur Ausdruck des Stolzes der Hallenser auf ihren berühmten ehemaligen Mitbürger, sondern auch eines in der Mitte des 19. Jahrhunderts gewachsenen bürgerlichen Selbstbewusstseins, das die bis dahin fast ausschließlich Fürsten oder Feldherren vorbehaltene Denkmalskultur durch die Ehrung verdienter Bürgerlicher ergänzen wollte. Händels Werk galt im damals noch in drei Dutzend Staaten aufgesplitterten Deutschland zudem als musikalisches Symbol für das sich seit Ende der Napoleonischen Kriege stetig entwickelnde Nationalgefühl. Heute wird bei Würdigung des Händel-Denkmals der völkerverbindende Aspekt der Finanzierungsgeschichte des Denkmals für den deutsch-britischen Komponisten betont.

Kommentar schreiben

Kontakt | Impressum