Montag 23 Apr 2018

Moritzburg

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Bildquelle: Rene Schmidt / pixelio.de

Im nördlichen Bereich der Innenstadt von Halle, in unmittelbarer Nähe des als Mühlgraben bezeichneten Seitenarms der Saale, befindet sich mit der Moritzburg eines der beeindruckendsten Bauwerke der Stadt.
Als spätgotische Vierflügelanlage erbaut in den Jahren zwischen 1484 und 1503, diente sie ursprünglich als Zwingerburg für den Erzbischof Ernst von Magdeburg und sicherte fortan sowohl repräsentative Wohnbedürfnisse als auch eine zuverlässige Verteidigung.

Mitte des 16. Jahrhunderts wurde die Burg von kaiserlichen Truppen besetzt. Im Verlaufe des Dreißigjährigen Krieges wurde die, eine beachtliche strategische Bedeutung besitzende Burg vor allem von schwedischen und sächsischen Truppen umkämpft und dabei stark in Mitleidenschaft gezogen. Teile der West- und Nordseite wurden teilweise, die Kapelle gänzlich zerstört. Die Moritzburg wurde mit Ausnahme ihrer Kapelle in ihrer ursprünglichen Form nie wieder aufgebaut. Während die Magdalenenkapelle später der Gemeinde zur Verfügung stand, wurden die den Krieg überdauernden Gebäude und Anlagen vor allem für militärische Zwecke genutzt.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde dem baulichen Verfall gezielt entgegengewirkt. Überwiegend durch Spendenmittel finanziert, konnte das Talamt im Stil der Neorenaissance neu errichtet und mit originalen Repräsentationsräumen der Halloren und Relikten aus halleschen Patrizierhäusern ausgestattet werden. Der rekonstruierte Torturm und Teile der Südbastion wurden danach als Museum genutzt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg erfuhren Bereiche der Moritzburg neben der stückweisen Erweiterung des Museums die Nutzung als verschiedene kulturelle Einrichtungen wie beispielsweise als Fernsehtheater oder Studentenklub.
Nach der Wende erwiesenen sich die vorhandenen Ausstellungsflächen sowohl ästhetisch als auch funktional immer ungeeigneter, sodass im Ergebnis eines internationalen Architektenwettbewerbs ab 2004 ein neuer Ausstellungsflügel unter Einbeziehung der Reste des alten West- und Nordflügels entstehen konnte.

Heute stellt sich die spätmittelalterliche Anlage der Moritzburg Halle in einem faszinierenden Wechselspiel von alt und neu dar. Unter den abgehängten weißen Boxen der modernen neuen Dachkonstruktion ist ein Raumerlebnis über mehrere Geschosse entstanden, in dem das Kunstmuseum des Landes Sachsen-Anhalt einen prächtigen Rahmen findet.
Schwerpunktmäßig widmet sich die Gemäldesammlung des Kunstmuseums dem Expressionismus sowie der Kunst der DDR und sozialkritischen Werken. Ergänzt wird sie durch eine umfangreiche Grafiksammlung.
Aus der Sammlung plastischer Werke ragen Werke von Ernst Barlach, Max Klinger und Wolfgang Mattheuer hervor, während Schnitzplastiken aus Mitteldeutschland in die Schaffensperiode des Mittelalters zurückführen.
Weitere Sammlungen gelten dem Kunsthandwerk und der Fotografie, während das Landesmünzkabinett Sachsen-Anhalt eine eigenständige Abteilung darstellt.

Ein abschließender Hinweis gebührt neben dem geschmackvoll eingerichteten MoritzKunstCafé der Magdalenenkapelle. Sie kann während der Sommersaison jeweils am Dienstag und Donnerstag Nachmittag besichtigt werden. Dabei werden die herrlichen bunten Glasfenster im Chorraum sicher ebenso die Aufmerksamkeit der Besucher erlangen, wie die unterhalb der umlaufenden Empore befindlichen Wandgemälde.

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