Montag 16 Jul 2018

Der Botanische Garten in Halle (Saale)

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Bildquelle: © Dieter Schütz / pixelio.de

Der Botanische Garten Halle ist Teil der Universität Halle an der Saale und wurde einst als Heilkräutergarten angelegt. Er ist fast genauso alt wie die Universität, die aus dem Jahre 1694 stammt. Auf dem Gartengelände stand einmal das Kloster Neuwerk, das von Augustinermönchen unterhalten wurde. In ihren Gärten züchteten sie nicht nur Obst und Gemüse, sondern auch eine Vielzahl medizinischer Heilkräuter. Auch wenn von dem ursprünglichen Klostergarten nichts erhalten geblieben ist, erklärten die Erzbischöfe von Magdeburg und die Landesherren der Stadt Halle das Klostergelände 1531 offiziell zum „Fürstengarten“.

Der königliche Leibarzt Georg Ernst Stahl pflanzte 1698 einen Teil des Gartens. Er war auch Professor der Medizin und nutzte die Pflanzen für die medizinische Forschung. 1798 konnte die Hallesche Universität das gesamte Gelände ankaufen. Hiermit schuf sie die Grundvoraussetzung für die Erschaffung eines botanischen Gartens.
Mit Dietrich Franz Leonhard von Schlechtendal erhielt der Botanische Garten Halle 1833 einen ausgewiesenen Botaniker als Direktor, der außerdem studierter Medizin war. 1819 hatte Schlechtendal mit einer Dissertation über Ranunkeln promoviert und blieb zeit seines Lebens Direktor des Botanischen Gartens. Auch das 1812 von ihm angelegte Herbarium, eine spezielle Sammlung getrockneter und gepresster Pflanzen, genießt bis heute besonderen Ruhm. Hier finden sich 70.000 nummerierte und klassifizierte sowie unzählige nicht katalogisierte Pflanzen.

Schon im Jahr 1799 wuchsen in der Anlage an die 3.000 Pflanzenarten. Heute beherbergt der Botanische Garten Halle auf einer 4,5 ha großen Fläche rund 12.000 Pflanzen aus aller Welt. 3000 m² des botanischen Gartens sind Gewächshäuser. Heute ist das Institut für Geobotanik für die Erhaltung des Gartens verantwortlich und wird von verschiedenen Fachbereichen der Universität kultiviert. Besucher können das Victoria-Haus mit dem Victoria-Seerosenteich besichtigen, außerdem haben sie Zugang zu einer einzigartig schönen Sammlung von Kakteen, fleischfressende Pflanzen und Orchideen. Das Palmenhaus des botanischen Gartens beherbergt einen faszinierenden Tropenwald.

Von ihrer Grundstruktur her sind botanische Gärten der Artenvielfalt verpflichtet. Hier werden nicht nur exotische Pflanzen präsentiert, man findet auch Spezialkulturen. Besucher bekommen in einem botanischen Garten auch spannende Einblicke in die heimische Pflanzen- und Tierwelt, denn er dient nicht zuletzt dazu, Interesse und Verständnis für Pflanzen zu wecken und dies zu fördern. Das Nachdenken über die Pflanzenwelt kann auch zu einem aktiven Naturschutz motivieren.

Auf dem Gelände des Botanischen Gartens Halle befindet sich auch eine historische Sternwarte aus dem Jahr 1788. Schon Goethe stattete ihr 1802 einen Besuch ab. Die Sternwarte besitzt vier exakt nach den Himmelsrichtungen ausgerichtete Balkone und steht nach vollständiger Restaurierung unter Denkmalschutz. An den 300 Jahre alten botanischen Garten in Halle ist auch eine Botanikschule angegliedert. Interessierte Schulklassen erhalten hier praxisnahen und altersgerechten Pflanzen- und Biologieunterricht.

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